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06.05.21

„Digitalisierung bedeutet auch, Denkweisen zu verändern".

Interview mit Sylvain Girard, D&I Director bei der Hager Group und Manuel Abendroth vom Künstlerkollektiv LAb[au].

Während der Kunstmesse „L'Industrie Magnifique" wird unser digitales Kunstwerk „yes:no, perhaps", das eigens für diese Ausstellung entstanden ist, vom 3. bis 13. Juni 2021 in Straßburg (Frankreich) zu sehen sein und danach dauerhaft in Blieskastel (Deutschland) ausgestellt. Vor dem Start der Ausstellung, die von der Hager Group unterstützt wird, sprachen wir mit Manuel Abendroth vom Brüsseler Künstlerkollektiv LAb[au] und D&I-Direktor Sylvain Girard darüber, inwieweit die Digitalisierung Industrie und Kunst beeinflusst und welchen Stellenwert der Zufall und die künstliche Intelligenz in beiden Bereichen haben.


Hager Group: Inwieweit erzählt das Kunstwerk „yes:no, perhaps" den Weg der Hager Group von klassischen Schalt- und Schutzgeräten hin zur Digitalisierung?


Manuel Abendroth: Wenn man an Schalter und Sicherungen denkt, wie sie unter dem Dach der Hager Group hergestellt werden, gibt es immer die klassischen, binären Zustände „ein" oder „aus", dargestellt durch 1 und 0. Das ist das Wesen eines Schalters und war der Ursprung der ersten Rechenmaschinen, wie z.B. des Zuse-Computers. Interessanterweise erreichen wir mit unserem Kunstwerk dank der Digitaltechnik aber eine andere Ebene, die über dieses „Ein" und „Aus" hinausgeht: Unser Kunstwerk generiert nach dem Zufallsprinzip Buchstaben, die dann durch Künstliche Intelligenz oder KI zu Wörtern und Sätzen zusammengesetzt werden.


Sylvain Girard: Als wir LAb[au] trafen und sie uns die Idee des Kunstwerks erklärten, wurde uns klar, dass das Konzept perfekt zu den Ambitionen und Überzeugungen der Hager Group im Bereich IT und Digitalisierung passt. Das Kunstwerk symbolisiert die Entwicklung unseres Unternehmens von Schalt- und Schutzgeräten zu einem Anbieter von Energiemanagement- und Speicherlösungen. Zusätzlich zu unserer traditionellen Tätigkeit werden wir auch auf der Kundenseite immer digitaler. Wir bieten neue Customer-Journeys an, zum Beispiel mit 2D-3D-Konfiguratoren. All diese Lösungen hängen mit fortschreitender Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und insbesondere Software und Daten zusammen. Das impliziert natürlich auch eine Form von Neuheit und damit eine Form des Unbekannten –  was perfekt zu LAb[au]s „Vielleicht" versus „Ja, Nein" passt. Aber wir sind natürlich sehr zuversichtlich, dass wir in diesem neuen Gebiet des Energiemanagements erfolgreich sein werden.


Hager Group: Das Exponat zeigt, wie kreativ der Umgang mit dem Zufall sein kann. Aber wo beginnt der Übergang zur Künstlichen Intelligenz?


Manuel Abendroth: In unserem Exponat kombinieren wir beides – Zufall und Künstliche Intelligenz. Unser Kunstwerk besteht aus zwei großen Spiegeln. Die darin verborgene Technik generiert Buchstaben, Wörter und ganze Sätze. Während der erste Spiegel die Buchstaben zufällig generiert, nutzt der zweite Künstliche Intelligenz, um Wörter zu bilden, sie zu Sätzen zu kombinieren und anzuzeigen. Die Ergebnisse sind also vom Zufall beeinflusst. Manchmal spuckt die Technik sogar Begriffe aus, die für Umstehende in dem Moment peinlich sein können. Das sind Überraschungsmomente, die niemand vorhersehen kann. Andererseits spielt die Wahrscheinlichkeit auch in der Digitalisierung und Informatik eine große Rolle. Es gibt nicht nur die Zustände „1" und „0", sondern auch unscharfe Bereiche, Näherungswerte. Letztlich basiert dies auf der Statistik. Die Lösung ist nicht „an" oder „aus", sondern liegt „eher" in der einen oder anderen Richtung. Denn Intelligenz ist nichts anderes, als flexibel auf eine neue Situation und Herausforderung zu reagieren. Was uns interessiert, ist zu sehen, wie logische Prozesse nicht notwendigerweise eine Bedeutung erzeugen. Dies ist eine sehr grundsätzliche und philosophische Frage, die wir in einen ästhetischen und künstlerischen Kontext darstellen.


Sylvain Girard: Dem stimme ich zu. Im Kontext der Wirtschaft geht es bei Künstlicher Intelligenz darum, mithilfe von Statistiken Lösungen zu produzieren, die nützlich sind. Das gilt zum Beispiel für künstliches Sehen oder Hören: Die Algorithmen werden mit einer Vielzahl von Bildern oder Wörtern trainiert. Anschließend leiten sie aus dieser Erfahrung für einen konkreten Fall ab, welches das wahrscheinlichste Wort oder Objekt ist. Das heißt aber nicht, dass die digitale Technik das menschliche Denken und die Art, Probleme zu lösen, imitiert. Das Ziel ist, dass KI die gleichen Ergebnisse wie die menschliche Intelligenz erzielt, aber mit eigenen Methoden. Und manchmal sind diese KI-Methoden nicht so clever.


Hager Group: Und wo finden wir künstliche Intelligenz in der Digitalisierung bei der Hager Group?


Sylvain Girard: Wir haben schon vor einigen Jahren begonnen, erste KI-Systeme zu entwickeln, zunächst für den internen Gebrauch, etwa zur Optimierung von Fertigungsprozessen im Bereich Industrie 4.0 oder im Bereich Sales & Marketing. Bis heute haben wir etwa 20 KI-Projekte, und die Liste wächst weiter. Diese Systeme zielen darauf ab, unseren Kollegen die niedrigschwelligen, geringwertigen Aufgaben abzunehmen. Am wichtigsten ist es, dass diese Systeme in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen entwickelt werden. Für unsere Kunden sind einige KI-Funktionen bereits in unsere Gebäudeplanungswerkzeuge eingebettet, wie zum Beispiel in hagercad und in unsere Energiemanagement-Software Hager flow Wir sind dabei, KI auch in einige unserer physischen Produkte einzubinden.


Hager Group: Kein Zweifel, KI ist auf dem Vormarsch. Bedeutet das, dass die künstliche Intelligenz bald auf Augenhöhe mit dem Menschen sein wird?


Sylvain Girard: Das ist für die nächsten 30 Jahre eher unwahrscheinlich. Wir neigen dazu, viel hinter Intelligenz zu setzen, aber bis heute ist KI schlicht eine Kombination von Algorithmen mit Daten, die auf einem Computer laufen, was starke Einschränkungen mit sich bringt.


Manuel Abendroth: Auch ich bezweifle, dass KI bald auf Augenhöhe mit dem Menschen stattfinden wird. Maschinen können zum Beispiel keine Probleme erfinden. Sie können Lösungen erarbeiten, aber sie können nicht eine Frage stellen wie „Warum gibt es mich?". Letztlich muss der Mensch der Maschine immer sagen, was sie tun soll. Ich glaube nicht, dass eine Maschine unsere Kunstwerke erfinden und den Sinn der Kunst, den Sinn des Seins in Frage stellen könnte.


Vielen Dank an Manuel Abendroth und Sylvain Girard für diese interessante Diskussion. Sie können unser Kunstwerk auf der "L'Industrie Magnififque" in Straßburg vom 3. bis 13. Juni. Danach wird „yes:no, perhaps" in Blieskastel, am Hauptsitz der Hager Group, permanent ausgestellt werden. 

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