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01. Februar 2019

Verleihung des Peter und Luise Hager-Preises 2019

Am 1. Februar 2019 fand die Verleihung des Peter und Luise Hager-Preises 2019 an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) in Saarbrücken statt. Die Peter und Luise Hager-Stiftung und die Hochschule der Bildenden Künste Saar zeichnen zum achten Mal studentische Arbeiten und Positionen aus, die künstlerisch und gestalterisch hochwertig die sinnliche Erfahrbarkeit und Vermittlung von technischen, sozialen sowie kulturellen Prozessen thematisieren.

Aufgabenstellung der aktuellen Wettbewerbsausschreibung war die künstlerische und gestalterische Auseinandersetzung mit dem Thema „Widerstand“. Die Medien, mit denen das Thema dargestellt oder behandelt werden konnte, waren dabei für die Studierenden frei wählbar. Entsprechend vielfältig waren die eingereichten 38 Wettbewerbsbeiträge von insgesamt 62 Studierenden, sowohl hinsichtlich der formalen Gestaltung als auch der ausgewählten Medien.

Aus allen Einreichungen wählte eine Jury elf Positionen aus, die zum Rundgang 2019 im Rahmen einer Ausstellung in der Galerie der HBKsaar zu sehen sind. Aus diesen Ausstellungsteilnehmern ermittelt die Jury drei Preisträger, die zur Ausstellungseröffnung am 1. Februar 2019 bekannt gegeben wurden.

Der Jury gehören seitens der Peter und Luise Hager-Stiftung Frau Susanne Trockle als Vorstandmitglied der Stiftung und Frau Gabriela Gross als Mitglied des Stiftungsrates an. Für die HBKsaar sind Prof. Mark Braun, Prof. Ivica Maksimovic, Prof. Andreas Oldörp und Prof. Dr. Matthias Winzen in der Jury vertreten. Weitere Jury-Mitglieder sind der kunst- und kulturwissenschaftliche Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Dr. Roland Mönig, sowie als Mitarbeiterin der Saarländischen Galerie, Berlin, Dr. Andrea Weber.

Die Preise wurden durch Frau Susanne Trockle und Frau Gabriela Gross verliehen und sind wie folgt dotiert:

Der erste Preis, dotiert mit  5.000 Euro, ging an Shakti Paqué. Der zweite Preis, dotiert mit 3.000 Euro, an Esther Ramsbrock und der dritte Preis, dotiert mit 2.000 Euro, ging an Joanna-Melissa Crittendon.

 

Über die Preisträger

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1. Preis:  Shakti Paqué „LEKTION 8 (für Fortgeschrittene)“

Shakti Paqué gelingt es, das psychische und mimische-körperliche Erleben von Widerstand in die von ihr gefilmten Personen hinein zu verlegen. Ihre Ateliergäste sollten „Nein“ sagen und erfuhren erst kurz vor der Videoaufnahme, dass sie dabei nicken sollten. Während wir diese 41 Personen dabei beobachten, wie sie „Nein“ sagen und zugleich „ja“ nicken, überträgt sich deren innerer Widerstand in uns hinein. Manche der Gefilmten schaffen diese scheinbar einfache schauspielerische Übung nicht perfekt. Beim „Nein“-Sagen schütteln sie noch schnell den Kopf, anstatt wie verlangt zu nicken. Kindern gelingt der Gegensatz von Sprechen und gestischem Zeigen am schlechtesten. Sind die Erwachsenen mit mehr Lebenserfahrung die besseren Lügner? Wie sehr ist noch das scheinbar ehrlichste „Ja“ oder „Nein“ immer auch ein schauspielerischer Auftritt, eine Inszenierung von klarer Meinung, bei der man sich auch versprechen und verstolpern kann?

Shakti Paqués filmisch-performatives Nachdenken über die seelische Basis allen Widerstandes in jedem von uns kann als sehr gelungene künstlerische Grundlagenforschung verstanden werden.

 

2. Preis:  Esther Ramsbrock „Die Möglichkeit auf der Seite gegenüber. Die Weiße Fahne“

Ein Mensch und eine Fahne: Die scheinbar einfache Zeichnung von Esther Ramsbrock signalisiert Widerstand gegen eine permanente Überforderung - nämlich gegen den Dauerstress, gegen was alles jeder halbwegs interessierte und informierte junge Erwachsene Widerstand leisten muss. Wer will in einer Welt leben, in der Kinder sexualisierter Gewalt zum Opfer fallen? Und haben nicht die vielen Unzufriedenen und Abgehängten, die in gelben Westen oder als Protestwähler den Totalausstieg proben, irgendwie recht? - Vor lauter massenmedialen Gründen und Vorwänden, über was man sich alles aufregen muss, kann es passieren, dass der eigene Standpunkt, die eigene Produktivität, die eigene konstruktive Kraft verwirrt werden und man permanent zu moralischem Empörtsein genötigt wird. Esther Ramsbrock probiert etwas Neues, einen entscheidenden Schritt weiter: nicht nur reagieren, sondern eine eigene, andere Sichtweise postulieren.

 

3. Preis: Joanna-Melissa Crittendon „Impurity Washing“

Die Installation von Joanna-Melissa Crittendon zeigt ein Waschbecken, ein Handtuch und Seifenstücke, also eine Einladung – oder je nachdem – eine Aufforderung, sich zu waschen. Wer aufgefordert wird, sich zu waschen, ist offenbar schmutzig. Das Waschtisch-Arrangement, das uns in einem Hotelzimmer normal erscheinen könnte, irritiert uns in einem öffentlichen Ausstellungsraum. Der Anblick wirkt steril und kalt, die Seifenstücke allerdings sehen nicht klinisch sauber, sondern organisch unregelmäßig aus. Wie alle Seife ist auch diese aus organischen Abfällen hergestellt, allerdings teilt Joanna-Melissa Crittendon mit, dass „deren Inhaltsstoffe meine eigenen Haar- und Hautablagerungen sowie Schweiß und Körperfett beinhalten sowie die üblichen Stoffe, aus denen Kernseife gemacht wird“.

 

Alle an der Ausstellung beteiligten Studierenden, die nicht zu den Preisträgern zählen, erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 500 Euro: Catherine Duboutay, Julia Gerhards, Felix Gropper & Bernd Rosinski, Eric Heit, Anja Khersonska, Darja Linder, Radion Rabovski & Sebastian Schuhster und Anica Seidel.


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