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20. Oktober 2015

Zuhause sicher alt werden

Die stetig wachsende Zahl älterer Menschen in Europa verbindet ein Wunsch: Sie wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben. Zu Gute kommt ihnen dabei der technische Fortschritt: Elektronische Helfer und passgenaue Dienstleistungen erleichtern ihnen den Alltag. Was ältere Menschen heute brauchen und wie ihnen moderne Technik zur Seite stehen kann, erfuhren die Teilnehmer der ersten deutsch-französischen AAL Days der Hager Group am 28. und 29. September in Obernai.

Die Menschen in Europa werden immer älter: Mehr als 22 Millionen Männer und Frauen werden allein in Deutschland im Jahr 2030 das Rentenalter erreicht haben – rund ein Drittel mehr als heute. Die große Mehrheit von ihnen möchte laut Umfragen am liebsten in ihren eigenen vier Wänden ihren Lebensabend verbringen. Und mehr als die Hälfte der über 65-jährigen würde im Bedarfsfall gerne Erinnerungsfunktionen zur Tabletteneinnahme oder Alarmsysteme wie beispielsweise elektronische Sturz- oder Bewegungssensoren nutzen.

Die Zahlen illustrieren, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Potentiale Ambient Assisted Living (AAL, auf Deutsch: Alltagsunterstützende Assistenz- Lösungen oder kurz: Assistenztechnik) jetzt und in Zukunft haben. Deswegen erforschen die Entwickler der Hager Group schon seit Jahren, wie sich moderne Technologien, eine unkomplizierte Anpassung der Wohnung und individuell zu nutzende Dienstleistungen zum Wohl des Menschen kombinieren lassen. Bereits mit dem Beitritt zum AAL Netzwerk Saar, das im Juli 2014 gegründet wurde, zeigte die Hager Group ihren Willen, das Thema AAL gemeinsam mit Handwerksbetrieben, großen Unternehmen, Pflegediensten, Kommunen, Krankenkassen sowie Sozialverbänden voranzutreiben.

Als Initiatorin der ersten deutsch-französischen AAL Days am 28. und 29. September 2015 führte die Hager Group diese Tradition fort und bewies, wie ernst das Unternehmen das Thema AAL nimmt. Hochrangige Politiker aus Deutschland und Frankreich waren ins neu eröffnete Hager Forum am Firmenstandort Obernai gekommen, ebenso wie zahlreiche Unternehmensvertreter, Pflegewissenschaftler, Immobilienexperten und Journalisten. Sie alle tauschten sich in Workshops, als Referenten oder beim zwanglosen Netzwerken vor und nach den Diskussionsrunden aus. Im ersten Obergeschoss des Hager Forums konnten sich die AAL Days-Besucher zudem an Infoständen über die Ideen und Lösungen innovativer AAL-Unternehmen informieren.

„Der demografische Wandel ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit“, sagte Daniel Hager, Vorstandsvorsitzender der Hager Group. „Mit den deutsch-französischen AAL Days wollen wir einen Beitrag dazu leisten, das Wissen darüber zu verbreiten, wie menschenwürdiges Altern heute und in Zukunft aussehen kann. Die AAL-Days sind keine Verkaufsveranstaltung, sondern bieten allen Akteuren am Markt die Gelegenheit, ihre Erfahrungen vorzustellen und mit frischem Wissen und neuen Kontakten nach Hause zu fahren.“

Stephan Kreutzer, Head of Business Development AAL der Hager Group und Mitorganisator der AAL Days zusammen mit Jean-Michel Hervouët, betonte in seiner Rede, dass für jeden, der AAL umfassend verstehen wolle, das Branchentreffen ein Muss sei. „Große Ideen entstehen im Kopf. Und großartige Ideen entstehen, indem man die besten Köpfe zusammenbringt. Je mehr wir voneinander lernen und miteinander arbeiten, desto schneller können wir Lösungen anbieten, die älteren Menschen das Leben leichter machen.“

Die Bedeutung von AAL für ein selbstbestimmtes Leben betonte auch der saarländische Finanz- und Europaminister Stephan Toscani. „Barrierefreiheit ist für zehn Prozent der Bevölkerung zwingend erforderlich, für 40 Prozent hilfreich und für 100 Prozent bequem“, sagte der Politiker, der die Ministerpräsidentin des Saarlandes und deutsche Schirmherrin der AAL-Days, Annegret Kramp-Karrenbauer, vertrat.  „Deshalb werden AAL-Produkte ähnlich wie das alltäglich genutzte Auto auch in andere Bereiche unseres Alltags immer mehr integriert werden. Im Saarland beschäftigen wir uns mit diesen Fragen und begrüßen das Engagement der Firma Hager in diesem Bereich ausdrücklich.“ Er lobte auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Hager Group beim Thema AAL, die sich auch in der Tatsache äußert, dass die AAL-Days neben Annegret Kramp-Karrenbauer mit Laurence Rossignol, Staatssekretärin im Bereich Familie, Kinder, Senioren und Autonomie, Philippe Richert, Präsident des Regionalrats Elsass sowie Jean-Pierre Masseret, Präsident des Regionalrats Lothringen französische Schirmherren haben.
Herr Richert betonte seinerseits die Bedeutung, die Senioren heute haben: « Heutzutage stellen Senioren ein  enormes Potential dar, wir sollten sie aber nicht nur als ein solches, sondern vor allem als Menschen ansehen.“  Christophe Choserot, Vizepräsident des Regionalrats Lothringen und als Stellvertreter für Herrn Masseret vor Ort,  nutzte die Gelegenheit, um den Start des Strategieausschusses des regionalen Sektors der Silver Economy und des deutsch-französischen Clusters am 7. Oktober anzukündigen.

Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland

In den Vorträgen und Workshops zeigte sich, dass die Menschen in Deutschland und Frankreich in vielen Lebensbereichen ähnliche Bedürfnisse haben, kleine Unterschiede bei der Konzeption von AAL-Lösungen jedoch berücksichtigt werden müssen – gerade was Finanzkraft und Technikaffinität betrifft.

So verfügen französische Senioren über im Schnitt etwas höhere Bezüge als ihre Altersgenossen jenseits des Rheins, während deutsche Arbeitnehmer später in Rente gehen: In Frankreich sind nur noch 48 Prozent der 55- bis 64-Jährigen beruflich aktiv, in Deutschland sind es 55 Prozent. Auch bei der Sozialversicherung zeigen sich Unterschiede: Während in Deutschland jeder Krankenversicherte auch pflegeversichert ist, gibt es in Frankreich keine klassische Pflegeversicherung, sondern eine Pflegebeihilfe, die sich über die allgemeine Solidaritätsabgabe, die Rentenkassen und Gemeinden finanziert. Assistenzlösungen werden deswegen dort auch nicht – wie in Deutschland zentral über die Krankenkassen  - sondern auf lokaler Ebene finanziert, was den Markt sehr unterschiedlich macht.

Jenseits wirtschaftlicher Aspekte spielen überraschenderweise auch kulturelle Unterschiede eine wichtige Rolle bei der Beurteilung des AAL-Marktes. Nach ihrer Einschätzung von technischen Assistenzlösungen befragt, äußerte sich eine deutliche Mehrheit deutscher Senioren zurückhaltend. Wann immer möglich ziehen sie menschliche Hilfe der Technik vor. Ihre französischen Altersgenossen hingegen zeigten sich in Umfragen nicht überschwänglich, aber deutlich  aufgeschlossener der Technik gegenüber. Sogar in der bevorzugten Auswahl der Steuerungsgeräte zeigt sich diese Technikaffinität: Während deutsche Senioren Smartphones und Tablets zur Steuerung bevorzugen, sind Franzosen bereit einen Schritt weiter zu gehen und integrierte Sensoren, intelligente Alltagsgegenstände und Videokommunikation in ihrem Alltag zu nutzen.

In seinem Schlusswort kündigte Daniel Hager, das Thema AAL intensiv weiterzuverfolgen und die AAL Days zu einem wiederkehrenden Event zu machen. Er betonte die Bedeutung des Austausches – gerade mit Praktikern aus der Pflegebranche. Sie seien es, die am besten verstünden, was hilfsbedürftige Menschen am meisten bräuchten. „Gelungen Assistenzlösungen helfen dem Einzelnen und stigmatisieren ihn nicht“, sagte er. „Im Mittelpunkt unseres Interesses steht der Mensch. Erst dann folgt die Technik.“

Weiterführende Informationen
I. Der Begriff AAL und die Bedeutung des Themas für Mensch und Wirtschaft

Um allen Assistenzsystemen im häuslichen Umfeld einen Oberbegriff zu geben, führte des Bundesministerium für Bildung und Forschung den Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) ein. Diesen Begriff entwickelte die Locate Solution GmbH, ein Tochterunternehmen der Hager Group, inhaltlich weiter und übersetzte ihn mit „Alltagsunterstützende Assistenz-Lösungen“. Die Definition nimmt zusätzlich die Einsatzbereiche der Assistenzsysteme im häuslichen Umfeld auf und lässt den notwendigen Raum für die Festlegung der individuellen Wünsche des Nutzers zu.

Mit Ambient Assisted Living-Technologien entsteht derzeit ein neues Geschäftsfeld für Lösungen, die älteren oder pflegebedürftigen Menschen den Alltag erleichtern. Der demografische Wandel befeuert diesen Markt enorm.

Statistischer Hintergrund

  • 2015 waren laut Statistischem Bundesamt 1,5 Millionen Menschen pflegebedürftig, 2020 wird sich diese Zahl verdoppelt haben. 2030 rechnen die Statistiker mit 3,4 Millionen Pflegebedürftigen.
  • Jeder zehnte 65-Jährige hat kognitive Probleme, oft infolge eines Herzinfarkts. Jeder zweite 85-Jährige ist im Alltag auf Hilfe angewiesen.
  • Umfragen haben ergeben, dass mehr als die Hälfte der über 65-Jährigen eine dauerhafte Überwachung durch Telemedizin nutzen, auf Erinnerungsfunktionen zur Tabletteneinnahme zurückgreifen und von Alarmsystemen wie Sturzsensoren oder Atemstillstandsmessern Gebrauch machen würde
  • Werden Bedürfnisse der Älteren verstärkt beachtet, sieht das Institut für Arbeit und Technik (IAT) Gelsenkirchen ein Potential von bis zu einer Million Arbeitsplätzen im AAL-Sektor
  • Hoher volkswirtschaftlicher Nutzen, wenn ältere Menschen länger zu Hause leben, Entlastung der Pflegekassen.

Anwendungsgebiete

AAL findet besonders in Kombination mit Servicedienstleistungen verstärkt den Weg in das Wohnumfeld. Im Vordergrund stehen dabei die Aspekte der komfortablen Unterstützung und der schnellen Hilfe bei Notsituationen sowie der möglichen Vernetzung mit individuell  zu nutzenden, haushaltsnahen Dienstleistungsangeboten, wie beispielsweise der Begleitung zum Arzt, die Erledigung von Einkäufen oder der Wohnungspflege.

Assistenzsysteme für den Einsatz im privaten Bereich können:

  • Sicherheits-, Schutz- Präventions- oder Erinnerungsfunktionen übernehmen,
  • die Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Mobilität fördern oder unterstützend erhalten,
  • die kognitiven Fähigkeiten trainieren und erhalten,
  • den Erhalt oder Aufbau der sozialen Kontakte unterstützen und fördern

Zugleich können diese Technologien bedarfsgerecht die ambulanten Pflegekräfte unterstützen.

Die Anfänge von AAL liegen in der Gesundheitswirtschaft und der häuslichen Pflege. Erste Produkte waren ein roter Knopf am Armband oder an einer Halskordel, mit dem sich Senioren Hilfe rufen können, wenn sie im Bad ausgerutscht sind oder Herzschrittmacher, die regelmäßig über Funk melden, ob sie noch richtig funktionieren.

Künftig werden Digitalisierung und Vernetzung eine große Rolle spielen: Sensoren können beispielsweise Herzfehler überwachen, indem sie Atmungsfrequenz, Blutdruck und Herztöne messen und dem behandelnden Arzt weitergeben. Andere Assistenten schützen vor Vergesslichkeit. Soll die Herdplatte angeschaltet bleiben? Soll das Abwaschwasser weiter laufen? Vielen der 1,2 Millionen Demenzkranken hierzulande könnten sie den Umzug ins Pflegeheim ersparen.

Ein drittes Feld sind Multimedia-Anwendungen gegen soziale Isolation. Bildschirmtelefonie gibt bunte Einblicke in den Alltag der Enkel. Ein virtueller Butler wird zum Türöffner in die Außenwelt: Er kennt das örtliche Veranstaltungsprogramm sowie Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs, kann Essen oder Blumen bestellen und managt Verabredungen mit den Nachbarn.

II. AAL in der Praxis: Selbstbestimmt leben in Dortmund

Alltagsunterstützende Assistenzsysteme sind in der Praxis angekommen  - und helfen heute schon Senioren dabei, ihr Leben sicher und sorgenfrei selbst bestimmen zu können. Die Kooperation der Dortmunder Gesellschaft für Wohnen (DOGEWO) und Locate Solution, einem Unternehmen der Hager Group, zeigt ganz konkret, wie Hilfe im Alltag funktionieren kann:

Harry Wendt ist 80 Jahre alt und wohnt seit 25 Jahren in einer Dortmunder Mietwohnung, seit dem Tod seiner Frau alleine. Der Bergbauarbeiter hat Atemwegsprobleme und braucht Unterstützung im Alltag. Sein Sohn wohnt weit weg in Freiburg, die Nachbarn will Wendt nicht immer bemühen, und einen Umzug möchte er um jeden Preis verhindern.

Vor drei Jahren bot ihm sein Vermieter, die Dortmunder Gesellschaft für Wohnen (DOGEWO), im Zuge der Komplettsanierung einiger Häuser den Einbau technischer Hilfen an. Weil die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner zu diesem Zeitpunkt fast alle älter als 65 Jahre waren, beschränkte sich die Gesellschaft nicht nur darauf, bauliche Barrieren abzubauen, sondern holte das Hager-Group-Unternehmen "Locate Solution" mit ins Boot – einen der führenden Anbieter von Alltagsunterstützenden Assistenzlösungen. Die Produkte der Essener Firma konnten DOGEWO-Mieter im Rahmen eines vom Bundesfamilienministerium ausgezeichneten Projekts zunächst kostenlos testen. Harry Wendt etwa setzte auf "my.sens": Das intelligente Schutzsystem besteht aus mehreren Sensoren, die sich ohne bauliche Maßnahmen innerhalb von wenigen Minuten in allen Räumen anbringen lassen. Registrieren diese über einen längeren Zeitraum keine Bewegung, gibt das Basismodul einen Signalton von sich. Schaltet der Nutzer diesen Voralarm nicht aus, wird automatisch eine Warnmeldung an die jeweiligen Vertrauenspersonen versandt.

Der entscheidende Vorteil liegt für Harry Wendt darin, dass er - anders als etwa beim Hausnotruf - nicht extra einen Knopf drücken muss, den er im Ernstfall, etwa nach einem Sturz, gar nicht erreichen würde. Dem Rentner ist außerdem wichtig, dass nicht gleich eine Notrufservicestelle alarmiert wird. Als erstes erhalten zwei befreundete Nachbarn eine Info. Die können persönlich vorbeischauen und bei Bedarf weitere Schritte einleiten. Und auch sonst bleibt die Privatsphäre gewahrt. My.sens arbeitet ohne Kamera, das heißt, es werden keine Bilder vom Nutzer aufgezeichnet. Gemäß der strengen Datenschutzregeln erfolgt auch keine Speicherung der persönlichen Messdaten. Nicht zuletzt lässt sich das System im Sinne der Selbstbestimmung jederzeit per Knopfdruck ein- oder ausschalten.

Über die Hager Group
Die Hager Group ist ein führender Anbieter von Lösungen und Dienstleistungen für elektrotechnische Installationen in Wohn-, Industrie- und Gewerbeimmobilien. Das Leistungsspektrum reicht von der Energieverteilung über die Leitungsführung und Sicherheitstechnik bis zur intelligenten Gebäudesteuerung.
Als unabhängiges, inhabergeführtes Familienunternehmen mit Sitz in Blieskastel, Deutschland, gehört die Hager Group zu den Innovationsführern der Branche. 11.400 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro. Komponenten und Lösungen werden an 23 Standorten rund um den Globus produziert, Kunden in 120 Ländern der Erde setzen auf sie.

Fotos
Hager Group


Downloads

Pressemitteilung : AAL Days (DOC, 1,7 MB)

Bilder : AAL Days (ZIP, 11,4 MB)

Harald Börsch

Harald Börsch
Director Corporate Communications
Hager Group

+49 6842 945 2422
harald.boersch@hagergroup.com

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