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Obernai, 28.08.2019

[Interview] Die Biomimetik: Herausforderungen & Perspektive mit Idriss Aberkane

Wie sehen die wirtschaftlichen Herausforderungen deer Biomimetik aus? Umweltfreundlichere, energiesparendere Verfahren, Recyclingfähigkeit, mehr Sicherheit, höhere Qualität zu niedrigeren Produktionskosten - müssen wir die Natur nachahmen, um sie zu retten ?

Ein vielversprechender großer Trend des 21. Jahrhunderts besteht in der Schaffung eines industriellen Ökosystems. Das bedeutet, dass die Abfälle eines Unternehmens einem anderen Unternehmen als Rohstoff dienen. Die Überlegungen bewegen sich in Richtung Nahrungskette, d.h. die Unternehmen beschränken sich nicht mehr ausschließlich auf die Lieferanten-/Kundenbeziehung. Es müsste eine Art „Ökosystem-Beziehung“ entstehen, bei der die Abfälle nicht mehr als Passiva in die Bilanz eingehen, sondern als Aktivposten geführt werden. Dies ist in der Geschichte der Menschheit bereits mehrmals erreicht worden. So verdiente der römische Kaiser Vespasien, der öffentliche Toiletten in Rom einführte, Geld mit dem Verkauf des Urins zur Herstellung verschiedener Produkte wie Dünger, Waschmittel, usw. Wenn es gelingt, systematisch die Passiva in Aktivposten zu verwandeln, könnten die Unternehmen hieraus Mehrwert schöpfen oder ihre Gewinnmargen erhöhen. Hager kreiert seinen Mehrwert mit materiellen und immateriellen Gütern, was aus den beiden großen Analyseschemata ersichtlich ist. Die Biomimetik spielt in beiden Fällen eine wichtige Rolle. Bei materiellen Gütern kommt die Biomimetik beispielsweise in der Kunststoffherstellung zum Einsatz. So entsteht in Porto Torres auf Sardinien Bioplastik auf Kohlebasis. Zwei petrochemische Anlagen wurden umgerüstet, um das Bioplastik aus lokaler Kohle zu produzieren. Bei den immateriellen Gütern sind Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, vernetzte Objekte, Smart Grids und die Datenanalyse wesentliche Aspekte, um Informationen und neue Erkenntnisse von hohem Wirtschaftswert zu generieren. Sie stellen ein riesiges Chancen-Reservoir für Hager im 21. Jahrhundert dar. Und auch hier ist die Biomimetik von Bedeutung. So wie das Navigationssystem Waze, das ich bereits erläutert habe, im Verkehrsfluss Anwendung findet, ließe sich auch eine Waze-Analyse für das Stromverbrauchsverhalten erstellen, was eine enorme Wertschöpfung bewirken würde. 

Lässt sich da eine Verbindung zur Kreislauftwirtschaft als Geschäftsmodell herstellen ? Wäre das Ihrer Meinung nach ein zukunftsträchtiges Modell ?

Absolut. Ich habe das auf industrielle Ökosysteme, Nahrungsketten, bezogen. Die Kreislaufwirtschaft bildet eine ausgezeichnete Grundlage hierfür. Zur Entwicklung dieses Modells ist von Fallstudien auszugehen. Es gibt nichts Besseres als Fallstudien; zu viel Theorie über die Kreislaufwirtschaft ist nicht wirklich dienlich für die sog. „Missionierung“ – um das aktuelle französische Marketingmodewort zu verwenden (bedeutet so viel wie „Bewusstmachung der Art des Angebots und des Marktwerts“, AdÜ) – selbst wenn die Theorie durchaus interessant ist. Es ist entschieden effizienter, konkrete Fälle zu präsentieren, bei denen die Umsetzung bereits einen beachtlichen Mehrwert generiert hat. Das Startup EnerGaïa hat sich vor allem in Thailand durchgesetzt und ist insofern bemerkenswert, da es Algenbioreaktoren auf Hoteldächern installiert. Diese Bioreaktoren fangen die von den Klimaanlagen erzeugten CO2-Emissionen auf und gleichen den ökologischen Fußabdruck des Hotels mehr als aus. Über das Jahr erzielt das Hotel auf diese Weise eine positive Klimabilanz. Anschließend werden die Blaualgen Spirulina in Form von Cocktails, Tagliatelle usw. direkt an die Hotelgäste verkauft. Es ist ein anschauliches Beispiel für die Kreislaufwirtschaft mit direktem Absatz. Alle Optionen sind möglich, mit direktem oder indirektem Absatz. Auf dem Gebiet der Stromerzeugung und Stromspeicherung stellen sich Hager interessante Möglichkeiten zur Speicherung erneuerbarer Energien. Das gilt nicht nur für Terminals oder Anlagen, sondern auch für die Art und Weise des Stromverbrauchs, wie beispielsweise Ladestationen für Elektroautos. 

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Trends zeichnen sich für die Biomimetik in den kommenden 5 bis 10 Jahren ab?

Es gibt mikroökonomische und makroökonomische Tendenzen. Auf makroökonomischer, d.h. volkswirtschaftlicher Ebene beginnen immer mehr Länder zu verstehen, dass die Biodiversität mit einem neuen Erdölvorkommen gleichgesetzt werden kann. Die einzige Botschaft meiner Stiftung Bioniria lautet, dass die Staats- und Regierungschefs es eines Tages vorziehen werden, Biodiversität anstelle von Erdöl vorzufinden – und das aus rein wirtschaftlichen Gründen. Ein Erdölvorkommen beinhaltet eine bestimmte Anzahl Barrels, einen bestimmten Wert, ein Bruttoinlandseinkommen, eine Verschuldungskapazität, die für das Land von Interesse sind. Es ist davon auszugehen, dass künftig die Weltbank, die WHO und der IWF den Ländern Darlehen in Abhängigkeit von ihrer Biodiversität gewähren, gemäß der Überlegung „dieses Barrel Erkenntnis kann dem Wald entnommen werden, dieser Fluss ist 15 Jahre lang soundso viel wert, daher weiß ich, dass das Darlehen zurückgezahlt werden kann“. Bestimmte Erkenntnis-Barrels könnten sich als überaus erstaunlich herausstellen, wie beispielsweise tierische Toxine. Einige Toxine, wie das Gift der Schwarzen Mamba, sind besonders wertvoll; 0,1 mg kosten hier 600 Dollar, das entspricht einem Kilopreis von 6 Milliarden Dollar. Diese Toxine sind für die Pharmaindustrie von hohem Interesse, da sie als Schmerzmittel stärker wirken als Morphin und keine Abhängigkeit herbeiführen. Als mikroökonomische Ebene versteht man das Individuum, die Familie. Die Mesoökonomie betrifft die Unternehmen, die Werte zwischen Makroökonomie und Mikroökonomie schaffen. Für Individuen zählen Fallstudien, Elemente in ihrer direkten Umgebung, die der Natur nachempfunden sind, wie Waze. Ein Angebot an Serviceleistungen, die der Natur abgeschaut wurden, ist optimal, um möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass Natur und Arbeitsplatz sich nicht wiedersprechen und gleichzeitig erhalten werden können. Durch die Verbreitung von immer mehr Lösungen im Alltag, die die Natur nachahmen – vom Eiffelturm bis Waze – und vor allem durch das Verständnis, wie die Lösungen funktionieren und worauf sie beruhen, werden zahllose Menschen die Biomimetik zu würdigen lernen. Auf Unternehmensebene gilt dieselbe Logik. Durch die Wertschöpfung in den auf die Innovation folgenden 5 oder 10 Jahren, gelegentlich sogar noch schneller, erkennen die Mitarbeiter in ihrem Arbeitsalltag, dass sie mit einer bestimmten Serviceleistung oder einem Produktkatalog – durch Nachahmung der Natur – Vorteile erzielen und künftig noch wettbewerbsstärkere Produkte und Lösungen verkaufen werden können. So sehe ich die Zukunft der Biomimetik auf allen der 3 klassischen Wirtschaftsebenen, der Mikroökonomie (Individuum, Familie), der Makroökonomie (Länder und Kontinente) und der Mesoökonomie (Unternehmen – KMU und Konzerne).

Unternehmen werden durch Bio-Inspiration noch wettbewerbsfähigere Produkte und Lösungen verkaufen.

Idriss Aberkane

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