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18.11.19

[Artikel] Die Energiewende: Das Klima fordert Wandel. Von Gabrielle Walker

Bei der Trend Session #8 vom 30. September hielt die Strategieexpertin Gabrielle Walker einen 45-minütigen Vortrag über das Thema der Energiewende. Wir haben sie gebeten, das Thema im Rahmen eines Artikels weiter zu vertiefen. Nachdem sie zunächst auf die absolute Dringlichkeit des Themas hingewiesen hat, ging Gabrielle auf zwei Branchen ein, die mit wenig Veränderung Großes bewirken können: die Baubranche und das Transportwesen. Ihr Credo: „Wir müssen die Sache jetzt sofort ernsthaft angehen!“. Gabrielle verrät uns auch, dass sie eigentlich ganz optimistisch ist. Sie meint, die Welt könnte in den nächsten Jahren wirklich besser werden, wenn wir uns ernsthaft mit der Klimakrise auseinander setzen.

„Die Konsequenzen des Klimawandels spüren wir bereits jetzt jeden Tag.“

Ich habe vor ein paar Tagen eine E-Mail von einer Cousine aus dem Norden von Kalifornien erhalten. Ihr Haus ist mal wieder von einem Waldbrand bedroht. Die Luft ist vom Rauch der Brände geschwängert und der Horizont ist von den Höllenfeuern orange erleuchtet. „Es ist wie ein immer wiederkehrender Alptraum“, sagt sie. 

Wo immer wir hinschauen, es ist ein Alptraum, der sich fast überall auf der Welt wiederholt. Noch vor rund zwanzig Jahren, als ich begann, über den Klimawandel zu sprechen und zu schreiben, war es relativ schwierig, meine Worte mit Beispielen zu hinterlegen. Heute ist es eher schwierig, unter all den Beispielen zu wählen. Nicht nur Kalifornien wird von einer Serie von Waldbränden heimgesucht. Auch Chile, Schweden, Australien und Russland teilen regelmäßig dieses Schicksal. Dazu kommen die Hitzewellen, wie dieses Jahr in Europa. Paris schwitzte unter den heißesten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Nicht zu vergessen: die Monsterstürme, die die Karibik, Japan und Südostasien mit schöner Regelmäßigkeit verwüsten, nur dass sie jetzt noch deutlich weiter nördlich oder südlich zuschlagen als bisher, und dies mit noch mehr zerstörerischer Wucht. Unlängst erzählte mir ein Investor bei einem meiner Vorträge, dass sein Feriendomizil auf Barbados vom Wirbelsturm Dorian Anfang des Jahres plattgemacht worden war. „Die ganze Gegend sah aus wie nach einer Atombombenexplosion“, beschreibt er die Zerstörung. „Bis zu diesem Tag gehörte ich zu den Leugnern des Klimawandels. Nun nicht mehr...“ 

Wie bei einer Atombombe: Den Kopf in den Sand zu stecken hilft nicht 

Leider passt das Bild von der Atombombe ganz gut. Die Hitze der Treibhausgase, die wir in die Atmosphäre blasen, entspricht der Hitze von vier Hiroshima-Bomben pro Sekunde! Die Konsequenzen des Klimawandels spüren wir bereits jetzt jeden Tag. 2014 bis 2018, d.h. die letzten fünf Jahre, waren die wärmsten jemals gemessenen Jahre, und 2019 soll noch einmal wärmer werden. Wenn wir nichts dagegen unternehmen, wird der wiederkehrende Alptraum noch deutlich grausamer werden. 

Diese Erkenntnis hat die Demonstranten auf die Straße getrieben, die Politik dazu veranlasst, endlich Maßnahmen zu treffen, und einen fundamentalen Wandel der Steuerung von Kapital durch die Investoren eingeleitet, die endlich auch vermehrt den Klimawandel in ihr Kalkül einbeziehen. 

Darüber hinaus wird nun wohl auch langsam dem letzten Zweifler die Dringlichkeit der Energiewende bewusst. Die Welt befindet sich bereits in einem gewaltigen Wandel der Produktion und Nutzung von Energie, und die Energiewende nimmt seit Kurzem richtig Fahrt auf. Dies wiederum birgt erhebliche Risiken für diejenigen Unternehmen, die die Energiewende verschlafen, während sich diejenigen, die sich damit ernsthaft auseinandergesetzt haben, die Hände reiben dürfen. 

Ursprünglich konzentrierte sich die Energiewende auf den Ausstieg aus Kohle und Öl bei der Stromproduktion für das Netz. Dies wurde durch die stark fallenden Kosten für Sonnen- und Windenergie befeuert. Inzwischen geht man auch an schwieriger zu beherrschende Bereiche heran. Zwei Branchen stehen hier ganz oben auf der Prioritätenliste: die Baubranche und das Transportwesen. 

Schlüsselbranche Nr. 1: die Baubranche 

Nach Angabe der Europäischen Kommission verursachen Gebäude knapp 40% unserer energiebezogenen CO²-Emissionen, Tendenz steigend. Die Internationale Energiebehörde sagt für die kommenden vier Jahrzehnte voraus, dass der Netto-Zuwachs der bebauten Grundfläche, d.h. nach Abzug aller Abrisse von Gebäuden, der Gesamtbausubstanz Japans entspricht, und zwar pro Jahr! 

Wenn wir also die Ziele der Klimakonferenz von Paris einhalten wollen, müssen wir den Ausstoß pro Quadratmeter in den kommenden zehn Jahren um 30% verringern, und sämtliche Gebäude müssen bis 2050 CO²-neutral sein. Ein Teil dieser Ziele kann dadurch erreicht werden, dass wir bei der Stromgewinnung sowie bei der Wärmeproduktion für Gebäude aus Kohle und Öl aussteigen. Allerdings werden wir dafür auch die Nutzung von intelligenten Energien zum Steuern der Nachfrage und zur Verbesserung der Effizienz massiv erhöhen müssen. 

Schlüsselbranche Nr. 2: das Transportwesen 

Hier gibt es nur ein Stichwort: Elektro. E-Fahrzeuge sind inzwischen Gang und Gäbe. So hat VW bei der IAA in Frankfurt im September mit dem ID.3 seinen neuesten vollelektrischen Kompakten vorgestellt, wobei die 3 im Namen für den dritten veritablen "Volks-Wagen" nach dem legendären Käfer und dem nicht weniger legendären Golf steht. 

Darüber hinaus hat sich VW dazu verpflichtet, die gesamte Flotte bis 2050 komplett CO²-neutral zu machen. Und das betrifft nicht nur den Betrieb des Fahrzeugs, sondern auch den gesamten Herstellungsprozess und die Gewinnung der erforderlichen Energie. Während des gesamten Wertschöpfungsprozesses auf Emissionen zu achten, ist etwas Neues und sehr Bemerkenswertes, besonders für die Unternehmen, die Teil dieser Wertschöpfungskette sind. Aber VW steht hier nicht allein. Daimler hat sich ähnlich verpflichtet, nur soll die Umstellung der gesamten PKW-Flotte auf CO²-Neutralität bereits 2039 erfolgt sein. 

Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass dies kein rein europäischer Trend ist. Der Markt für E-Fahrzeuge wird von China beherrscht. 2018 fuhr beinah die Hälfte aller E-Autos auf Chinas Straßen, 2017 waren es noch rund 40%. Der Rest entfällt zu etwa gleichen Teilen auf Europa und die USA. 

Diese Veränderungen sind in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Sie erklären zumindest teilweise, warum die Internationale Energiebehörde inzwischen von einer regelrechten Flut von E-Fahrzeugen spricht. In einem ihrer Szenarios prognostiziert sie, dass es in gerade einmal zehn Jahren mehr als 250 Millionen E-Autos geben wird. 

Alle diese Autos müssen Zugang zu Ladestationen haben, alle werden eine immense Auswirkung auf die Bereitstellung von Strom haben, alle werden vermutlich eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Nachfrage und bei der Speicherung durch das intelligente Stromnetz spielen. Der Umfang und die Geschwindigkeit dieses Wandels sind bereits jetzt atemberaubend, und sie werden es auch in Zukunft bleiben. 

Grüne Energie ist nicht gleichbedeutend mit geringerem Spaßfaktor: Zukunft ist Hoffnung! 

Es gibt einen weiteren Grund, warum diese beiden Branchen so immens wichtig sind. Begonnen habe ich diesen Artikel mit dem sehr realen, immer wiederkehrenden Alptraum und mit der Feststellung, dass wir die Auswirkungen dieser unnatürlichen Klimakatastrophe bereits jetzt täglich zu spüren bekommen. Die beiden genannten, für den Klimawandel bedeutenden Branchen zeigen uns nunmehr, wie ein schöner Traum aussehen könnte. Unser Heim, unser Arbeitsplatz, die Fahrzeuge, in denen wir von A nach B fahren – sie sind die sichtbarsten Aspekte der grünen Energiewende im Individualbereich. Sie zeigen uns, dass der Umstieg auf grüne Energie nichts Schlimmes an sich hat. 

Der World Green Building Council hat zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen eine verbesserte Energieeffizienz, die Nutzung von Tageslicht und eine bessere Luft in Innenräumen zu erheblichen Verbesserungen bei der Zufriedenheit und der Produktivität von Mitarbeitern geführt haben.

Dasselbe gilt für das Automobil. Die Tage, als ein E-Auto noch stark an ein Golfkart erinnerte, sind lang vorbei. Bei der IAA konnte man neben dem ID.3 auch den neuen Taycan bestaunen, das neue, sportlich-langgestreckte, vollelektrische Muskelpaket von Porsche, eine Augenweide für jeden Autoliebhaber. 

Dies sind nur einige wenige Beispiele, die zeigen, dass wir eine bessere Welt schaffen, eine Welt, in der sich gut leben, arbeiten und fahren lässt, wenn es uns nur gelingt, die Klimakrise zu bewältigen. Für die Wirtschaft wäre das eine hervorragende Nachricht.

Gabrielle Walker
Expertin für Strategie, Vortragsrednerin und Moderatorin

Wir schaffen eine bessere Welt, eine Welt, in der sich gut leben, arbeiten und fahren lässt, wenn es uns nur gelingt, die Klimakrise zu bewältigen.

Gabrielle Walker

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