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16.10.19

[Artikel] Die Zukunft der Musik: Alles, nur nicht No Future! von Cédric Fabre

Von prähistorischen, über traditionelle und klassische Instrumente bis hin zu technologischen Weiterentwicklungen und dem digitalen Zeitalter: Von der Vorgeschichte bis in unsere Zeit hat sich die Musik ständig weiterentwickelt. Was aber hält die Zukunft für uns bereit? Wie wird Musik geschrieben? Wie werden wir Musik hören? Wie wird Musik vertrieben? Welche Rolle werden künstliche Intelligenz und Informatik spielen?
Der Journalist und Publizist Cédric Fabre erklärt uns seine Sicht der Dinge und nimmt uns mit auf eine Forschungsreise in die Zukunft der Musik.

Roboter und Hologramme, die die Rockstars aus Fleisch und Blut ersetzen, Apps, die unsere Playlist nach unserer Stimmung erstellen, Sounds, die wir durch unser Skelett erfahren. Wir gehen einfach mal davon aus, dass die neuen Technologien die musikalische Schöpfung nicht nur nicht ersticken, sondern vielmehr einen Beitrag zur Demokratisierung des Musikmachens und des Musikhörens leisten werden.

Neurowissenschaftler haben kürzlich bewiesen, dass sich das Gehirn dank der Musik umstrukturieren kann. Es wurde sogar beobachtet, dass Musik die Apathie von Alzheimer-Patienten lösen kann. Vielleicht sind dies nur Details aus der medizinischen Forschung, doch sind sie durchaus symbolbehaftet: Mehr als jemals zuvor spielen Kunst im Allgemeinen und Musik im Besonderen eine unerlässliche Rolle für das Gleichgewicht in einer immer komplexeren Welt - einmal ganz davon abgesehen, dass es dank unglaublicher Innovationen eine immer größere Freude ist, Musik zu hören.

Die Musiker selbst, also diejenigen, die ein Musikinstrument spielen, werden die musikalische Schöpfung immer weniger beherrschen, selbst wenn sie von künstlicher Intelligenz und "Sounddesignern" nie ganz verdrängt werden. Auch wenn es scheint, als würden klassische Musik und Jazz an Boden verlieren, werden diese Musikstile wohl auch weiterhin als Platten verkauft, während die "Popmusik" eher virtualisiert und hauptsächlich als Download oder im Streaming konsumiert werden wird. Das Comeback der LP ist ein weiteres Zeichen für den Widerstand gegen die totale Digitalisierung. Bei der Klassik geht die Reise nicht nur in Richtung revolutionärer Lehrmethoden in der Harmonielehre, und zwar "durch den Körper", wie es bereits am Konservatorium im französischen Vincennes gelehrt wird. Das Genre steht vielmehr kurz davor, wiederentdeckt zu werden, und zwar dank innovativer Veranstaltungsorte wie der SoundBox, der Heimat des San Francisco Symphony, einem regelrechten Nachtclub für Klassikfans mit mehreren Bühnen und Riesenbildschirmen in einem eigens dafür hergerichteten Hochhaus in San Francisco.

Die Musik wird immer synthetischer

Auch die Instrumente werden sich in Zukunft weiterentwickeln. Die Stimme selbst könnte mit "erweiterten" Stimmbändern und der Unterstützung von AutoTune, einer Software, die die Stimme verändert und Stimmfehler korrigiert, zum Instrument der Zukunft werden. Ein anderes Beispiel wäre die "piezoelektrische" Geige, die die Schwingungen der Saiten in elektrischen Strom umwandelt, der seinerseits in Schallwellen umgewandelt wird. Auch wartet man bereits ungeduldig auf die weitläufige Verbreitung der mit dem Internet verknüpften Kleidung, etwa auf den digitalen Handschuh, der alles, was man berührt, in Töne umwandelt, oder auf die mit Sensoren ausgestattete Hose, die sich, wenn man an bestimmten Stellen auf sie klopft, in ein Schlagzeug verwandelt. Feststellen können wir an dieser Stelle allerdings auch, dass künstliche Intelligenz, die Musik aus Datenbanken heraus komponieren und immer mehr Klangerlebnisse für Geschäfte und den öffentlichen Raum produzieren wird, die schöpferische Kraft des Menschen auch in Zukunft nicht ersetzen können wird. Wie es der französische Musiker und Produzent Pedro Winter, der das Abmischen eines seiner Stücke durch KI ausgewertet hat, treffend formuliert: "Was mich wirklich interessiert, sind die Fehlleistungen der Maschine." Was bedeuten würde, dass die KI die Kreativität entfesseln kann!

Das Ende der "Rock Stars"?

Der "traditionelle" Rock Star vom Schlage eines David Bowie oder eines Mick Jagger verschwindet - leider - zusehends von der Bildfläche. Seit der Erfindung der Rockmusik waren sie das Symbol für die Übertretung der Konvention, für die politische Message, für eine (R-)Evolution der Sitten. Für den englischen Essayisten David Hepworth "lebten die Rock Stars nicht nur ihr eigenes Leben, sondern das Unsere quasi per Prokura gleich mit. Neue Stereotypen sind auf den Plan getreten, von der Borderline-Diva über den protzenden Hip-Hop-Paten, die Stars auf den sozialen Netzwerken, die ihr Privatleben täglich in der Öffentlichkeit breittreten, bis hin zu den Sternchen aus den Talentshows." Werden wir noch einmal einen Bruce Springsteen erleben, der einen Präsidentschaftskandidaten in den USA so vehement unterstützt, während es in China und im Iran eher neue Punk- und Rap-Szenen sind, die sich gegen die Zensur auflehnen?
Die Stars von morgen werden nicht unbedingt menschliche Stars sein. Schon jetzt gibt es Dirigenten-Roboter wie Yumi... Bei den Hologrammen hat Japan mit der "Sängerin" Hatsune Miku, deren Stimme von einer Stimmsoftware generiert wird, die Vorreiterrolle übernommen. Ein Rückschritt? Nicht unbedingt. "Fiktive Wesen sind das spektakulärste Mittel, den Bruch mit der Gesellschaft herzuführen", meint die Anthropologin Agnès Giard. 

Verstärkt kollaborative Produktionen

Vielleicht bringt die Zukunft eine Revolution mit unabhängigen Künstlern - dank der sozialen Netzwerke, die die Möglichkeit bieten, neue Kunstformen quasi auf Zuruf zu lancieren, und mit Geld aus der Share Economy. Es ist ebenfalls nicht ausgeschlossen, dass Videospiele schon bald der Hauptvektor für die Publizierung von Musik sein werden, besonders deswegen, weil dieser Markt permanent wächst und die Möglichkeit haben wird, herausragende Soundtracks - egal, ob Eigen- oder Fremdproduktion - für massenhaft vertriebene Produkte zu finanzieren. Das Streaming wird sich als die wichtigste Art des Musikhörens etablieren. In Europa und in den USA generiert es inzwischen 75% des Umsatzes aus dem Verkauf von Musik. Die Künstler selbst scheinen immer mehr Autonomie und Kontrolle über ihr eigenes Werk anzustreben. Von der digitalen Welt erwarten sie vor allem ein größeres Publikum. Das Internet wird auch das Urheberrecht nicht aushebeln können. Zwar wird immer wieder auf die Gefahr verwiesen, die Künstler könnten durch die Internet-Plattformen ausgenutzt und die Gelder nicht richtig ausgeschüttet werden, doch gleichzeitig erleben wir die Entwicklung von Prototypen zur Identifizierung von Rechten auf der Grundlage der Blockchain. Eine der großen Herausforderungen der Zukunft wird die Rechteverwaltung sein, insbesondere die Urheberschaft an einem Werk, das ein Computer auf der Basis einer Datenbank entwickelt hat. Ob sich ein Stück zu sehr an das Werk eines anderen Künstlers anlehnt oder nicht, werden wohl Computerprogramme errechnen. Zu guter Letzt darf man davon ausgehen, dass die Zukunft des Musikschaffens in den großen Metropolen liegen wird. So könnte sich die malische Hauptstadt Bamako in den kommenden zehn Jahren zum größten Mekka der französischsprachigen Musik mausern. 

Live-Musik: noch spektakulärer - und noch virtueller

Der Einkommensrückgang vieler Musiker verursacht einen regelrechten Konzert-Boom, schon morgen mit Superstar-Bands und Sängern aus China oder Südafrika. Wer hätte nur einen Heller auf den Erfolg der koreanischen poppigen Boys Band BTS im Westen gesetzt? Man kann sich immer gigantischere Konzerte vorstellen - auf Bohrinseln, in Raumschiffen, unter klimatisierten Kuppeln mitten in der Wüste (ökologisch natürlich nicht zu vertreten...) - und mit Werken, die Video-Jockeys mit Computerunterstützung schaffen. Mit einem virtuellen Helm bewaffnet wird man an einem Konzert teilnehmen, ohne sich physisch dort zu befinden, und sich durch die Menge bewegen oder dank Drohnen mit Kameras über die Bühne schweben. Und woodstockmäßige Anti-Kriegskonzerte werden möglicherweise in Dakar, Tunis oder Brazzaville stattfinden. Vielleicht sollte man sein Geld ja auf ein "Summer of Love 2069"-Konzert in Kabul setzen?

Individuelles Hören und Entdecken

Das "Konzept-Album" wird man in Zukunft wohl vergeblich suchen, aber ambitionierte Werke wird man in Installationen durchaus finden, die Lichtskulpturen und 3D-Videoperformance kombinieren, wie man es in den digitalen Fresken von Yann Nguema, dem Bassisten der Gruppe Ez3kiel schon heute erleben kann. Dank der Algorithmen kann man neue Künstler entdecken, die ohne deren Hilfe wohl kaum aus der Versenkung gekommen wären. Für uns ist dies ein echter Fortschritt, selbst wenn sich manche Sorgen machen, es könnte zur "Gleichmacherei" kommen. Denn zu Hause sorgt die Gebäudesteuerung für einen individuelleren Musikgenuss. Die angebotenen Playlisten könnten sich durch die semantische Auswertung von uns geschriebener E-Mails oder unseren Status in den sozialen Netzwerken an unsere Stimmung oder auch an unseren Terminkalender für den jeweiligen Tag anpassen. Und die Technik des Knochenschalls wird das körperliche "Hören" von Tönen revolutionieren: Ein Kopfhörer wird die Musik durch die Knochen des Schädels, statt einfach "nur" durch den Gehörgang übertragen.

Das Fazit lautet also: nur keine Panik! Das von den Punkern 1976 verkündete "No Future" wird es zumindest in der Musik vorerst nicht geben! 

Cédric Fabre
Journalist und Publizist

Die Stars von morgen werden nicht unbedingt menschliche Stars sein.

Cédric Fabre

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