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Hager Forum: Artikel von Daniel Hulme über künstliche Intelligenz und Auswirkungen auf Unternehmen und die Gesellschaft

Obernai, 18.02.2019

Künstliche Intelligenz heute und morgen I Daniel Hulme

Am 15. November hielt Daniel Hulme im Hager Forum einen Vortrag über Künstliche Intelligenz (KI). In diesem Interview erklärt er, was KI ist und wo die Unterschiede zu Optimierungsprozessen liegen. Anhand von Beispielen zeigt er, wie KI in Gebäuden integriert wird und wie wir Menschen mit ihr interagieren. Abschließend teilt er mit uns seine Zukunftsvision und die ethischen Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz.

Hager Forum: Was ist Künstliche Intelligenz und was ist es nicht?

Daniel Hulme: Es gibt zwei Definitionen für Künstliche Intelligenz. Die bekanntere ist gleichzeitig die schwächere. Die erste Definition betrifft Maschinen, die Aufgaben übernehmen können, welche bisher in die ausschließliche Zuständigkeit von Menschen fielen. Dank technologischer Fortschritte, z.B. mit dem Deep Learning, haben wir in den vergangenen zehn Jahren Maschinen gebaut, die in der Lage sind, Objekte in Bildern zu erkennen und natürliche Sprache zu verstehen und auf sie zu antworten. Der Mensch ist das intelligenteste Wesen im Universum, das wir kennen. Wenn wir also plötzlich Maschinen sehen, die Dinge tun, die bis dahin nur Menschen leisten konnten, dann denken wir zwangsläufig, dass es sich dabei um Intelligenz handeln muss.

Ich würde jedoch behaupten, dass Menschen gar nicht so intelligent sind. Was Menschen gut beherrschen, ist das Erkennen von Mustern, allerdings in maximal vier Dimensionen. Wenn es darum geht, Probleme mit mehr als sieben Aspekten zu lösen, sind wir unterirdisch. Maschinen hingegen erkennen Muster in tausenden von Dimensionen und können Probleme mit Millionen von Aspekten lösen. Und doch sind auch diese Technologien keine Künstliche Intelligenz, sondern lediglich Algorithmen. Und deshalb tun sie auch einfach nur immer und immer wieder dasselbe. Auf gut Deutsch gesagt ist das exakt die Definition von Dummheit: immer und immer wieder dasselbe tun und dabei jedes Mal ein anderes Ergebnis erwarten.

Die beste Definition von Intelligenz - egal ob künstlich oder menschlich, die ich gefunden habe, basiert auf zielgerichtetem, adaptivem Verhalten. Dabei verwende ich den Begriff „zielführend“ im Sinne des Versuchs, ein Ziel zu erreichen. Auf Unternehmen angewandt würde das bedeuten, dass man sein Personal besser strukturiert oder dass man die Ausgaben für Marketing so steuert, dass man so viel Eiskrem wie möglich an den Mann bringt. Was zählt, ist das Ziel, das man sich setzt.

Verhalten definiere ich als die Geschwindigkeit oder Reibungslosigkeit, mit der ich Ressourcen mobilisieren kann, um ein Ziel zu erreichen. Beispiel: Wenn mein Ziel darin besteht, möglichst viel Eiskrem zu verkaufen, wie kann ich dann meine Ressourcen so einsetzen, dass ich mein Ziel garantiert erreiche?

Das eigentlich wichtige Wort in der Definition der KI als „zielführendes, adaptives Verhalten“ ist aber das Wort „adaptiv", also „anpassungsfähig“. Wenn ein Computersystem nicht in der Lage ist, eine Entscheidung zu treffen und dann zu lernen, ob diese Entscheidung richtig oder falsch war, um darauf basierend das eigene, innere Weltbild entsprechend anzupassen, dann handelt es sich für mich nicht um KI. Es ist absolut okay, wenn Firmen heutzutage gerne von KI sprechen, obwohl es sich eigentlich nur um maschinelles Lernen handelt. Die meiner Meinung nach richtige Definition von KI beinhaltet, dass Systeme selbständig und ohne die Hilfe von Menschen lernen und sich anpassen können. Adaptivität - oder einfach Anpassungsfähigkeit - ist mit Intelligenz gleichbedeutend.

Eigentlich haben die meisten Unternehmen nicht etwa Probleme mit dem maschinellen Lernen, sondern vielmehr mit der Optimierung. Optimierung ist der Prozess der Zuweisung von Ressourcen zur Erreichung eines Ziels unter Berücksichtigung gewisser Sachzwänge. Probleme mit der Optimierung sind extrem schwierig zu lösen. Ein paar Beispiele: Wie muss ich meine Fahrzeuge leiten, um Fahrtzeiten zu verkürzen? Wie muss ich mein Personal einplanen, um es bestmöglich auszulasten? Wie muss ich mein Marketingbudget einsetzen, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen? Wie setze ich am besten mein Vertriebspersonal auf Projekte an, um den größtmöglichen Gewinn zu erzielen? Es gibt weltweit bloß eine Handvoll Personen, die solche Probleme mit KI gut zu lösen in der Lage sind.

 

Können Sie einige Beispiele für wichtige Anwendungen der KI geben? 

(DH): Seit Millionen von Jahren passt sich das biologische Leben auf intelligente Art und Weise an seine Umwelt an und schafft es so, sich zu entwickeln. Erst seit dem Beginn dieses Jahrhunderts verursacht die Spezies Mensch einen Paradigmenwechsel: Wir schaffen uns eine Umwelt, die sich auf intelligente Art und Weise an uns anpasst. KI beginnt, die Temperatur in unseren Wohnräumen automatisch zu steuern, uns zu empfehlen, welche Produkte wir kaufen sollten, uns bei der Ernährung zu beraten, damit wir länger, gesünder und glücklicher leben können. Genau wie biologische Systeme lebt auch die KI von Daten, die sie mit unzähligen Sensoren sammelt. Egal ob wir diese mit uns führen – wie etwa unsere Smartphones – oder ob sie in die Wände und in die Gegenstände, mit denen wir interagieren, eingebaut sind: Wir erleben eine regelrechte Explosion der Datenmenge aus Sensoren, die analysiert werden, um daraus Erkenntnisse herzuleiten. Diese Technologie nennt man landläufig Internet of Things (IoT) - die Augen und Ohren der KI.

Unsere „(Um-)Welten“ werden nicht nur voraussagen, wann wir uns Kaffee machen werden oder wann uns unser autonomes Auto vor dem Büro abholen soll, sondern sie werden lernen, wie sie unser Leben komfortabler machen können, indem sie intelligent zusammenarbeiten und miteinander interagieren. Vor 400 Millionen Jahren löste die Entstehung der ersten Augen die Kambrische Explosion aus, die Entwicklung diversifizierten biologischen Lebens. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir einen vergleichbaren Quantensprung im Bereich der Technologie erleben werden. Diese wird durch die gleichzeitige Verfügbarkeit unendlicher Sensordatenmengen und der Fähigkeit unserer Umwelt, sich zu umzugestalten, und vielleicht sogar, sich ohne menschliches Zutun selbst zu erschaffen, entstehen. Umwelt schafft Umwelt.

 

Ein Blick in die Zukunft.

(DH): Wenn sich das Mooresche Gesetz, nach dem sich die Rechnerleistung alle 18 Monate verdoppelt, auch weiterhin bewahrheitet, werden sich die vernetzten Geräte in den kommenden Jahrzehnten möglicherweise so derartig miniaturisieren lassen, dass sie durch unsere Blutgefäße laufen und detaillierte Daten über unsere Physiologie sammeln können. Diese Daten werden völlig neue Erkenntnisse ans Tageslicht befördern, anhand derer unsere Umwelt mit uns interagieren können wird, und zwar in einer intelligenten Weise jenseits aller Vorstellungskraft. Die intelligenten Welten, die wir erschaffen, sind der Stoff, aus dem unsere physischen und digitalen Interaktionen gemacht sind. Mit sich immer stärker abzeichnender virtueller Realität und erweiterter Realität könnte es dazu kommen, dass immer mehr Menschen in virtuellen Welten leben werden, in Welten, in denen wir uns von aller Physik und jeglicher Realität freimachen können. Es kann gut sein, dass wir uns im Moment noch gar nicht vorstellen können, wie phantastisch, wie fesselnd diese Welten sein und wie sie sich entwickeln werden. Ebenso wenig wissen wir, wie sie unsere Interaktion mit physischen und virtuellen Objekten, mit Elementen der KI und untereinander verändern werden. Und wir haben auch keine Vorstellung davon, welche Auswirkung diese anpassungsfähigen Welten auf unsere physiologische Entwicklung, unsere emotionale Intelligenz und unsere sozialen Bindungen haben werden.

 

Welche ethischen Herausforderungen bringt die KI mit sich? 

(DH): Über Jahrtausende hinweg haben Philosophen darüber gestritten, wie eine Gesellschaft strukturiert sein sollte und was es bedeutet, ein „gutes“ Leben zu führen. Indem wir mit unserer Umwelt intelligent interagieren, geben wir ihr auch die Macht zu schaffen und zu zerstören. Wir müssen also ethische Verhaltensstrukturen in diese Systeme integrieren. Insofern steht die Menschheit vor der äußerst spannenden Herausforderung, uns jetzt darauf zu einigen, wie dieses ethische Verhalten aussehen soll.

 

Den Vortrag von Daniel Hulme über Künstliche Intelligenz(erneut) anschauen.

Die beste Definition von Intelligenz - egal ob künstlich oder menschlich, die ich gefunden habe, basiert auf zielgerichtetem, adaptivem Verhalten.

Daniel Hulme

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